So war es dann auch. Ich habe mehr oder weniger geduldig abgewartet und heute bin ich die Besitzerin einer Örtlichkeit, die sich „Junges Hotel Hamburg“ nennt. Wie es zu diesem „Junges Hotel Hamburg“ kam? Nun ja, eines Tages lief ich auf der Straße am einem wunderschönen, alten Haus vorbei – mit einem geschulten Blick sah ich das Schild „Fremdenzimmer“ und auch, dass das Haus heruntergekommen war. Das Schicksal wollte es so, dass der Besitzer, ein freundlicher, alter Mann, just in diesem Moment auf die Straße trat. Nachdem wir Bekanntschaft geschlossen hatte, trat er mir das Haus für einen lächerlichen Spottpreis ab, damit er beruhigt in Rente gehen konnte – und meine Idee, ein „junges Hotel Hamburg“ zu gründen, war geboren. Heute ist das Haus immer voll, mein „Junges Hotel Hamburg“ beherbergt Schulklassen genauso wie Backpacker und Traveller, die hier auf ihren Reisen um die Welt Station machen. Ich würde nicht behaupten, dass es ein einfacher Anfang war, dieses „Junges Hotel Hamburg“ zu gründen und auch bekannt zu machen, aber es war das Beste, was ich hätte machen können. Hier fühle ich mich glücklich und ausgefüllt, in meinem „Junges Hotel Hamburg“ lerne ich interessante Menschen kennen und habe immer etwas Interessantes zu tun.
Alles muss sich ändern
Als es dann im Job auch immer schlechter lief, wurde mir irgendwann klar, dass sich etwas ändern muss. Ich weiß nicht, woher ich die Kraft genommen habe, meine sichere Stelle als Hotelfachfrau zu kündigen, aber ich musste es tun (meine Eltern hätten sich im Grab umgedreht – das, was ich da getan habe, genauso wie die Scheidung, widersprach ihrer Erziehung vollkommen). Erst einmal war ich natürlich orientierungslos – und arbeitslos. Ich bin dann immer wieder zum Arbeitsamt und habe versucht, einen neuen Job zu finden. Aber irgendetwas in mir hat mir gesagt, dass ich abwarten soll, bis das Richtige meinen Weg kreuzt.
Privat wars auch nicht so
Naja, nachdem ich die Ausbildung abgeschlossen habe und in einem Hotel hier in Hamburg fest übernommen wurde, habe ich Manfred kennengelernt. Ich weiß heute nicht mehr, was uns zueinander gezogen hat, aber jedenfalls haben wir nach nur einem Jahr Kennenlernzeit, in der wir uns kaum gesehen haben, geheiratet. Nicht, dass wir uns nach der Hochzeit öfter gesehen hätten. Manfred war nämlich Fernfahrer. Ich kann mich noch an die vielen Abende alleine zuhause erinnern, wo ich mich gefragt habe, warum ich so alleine bin und mich so einsam fühle, ich hatte doch einen Mann und einen mich ausfüllenden Job. Aber nach 15 Jahren Ehe habe ich Rechnungen gefunden und musste feststellen, dass Manfred einen Teil seiner Zeit auch mit seiner Geliebten in diversen Hotels verbrachte. Da wars für mich vorbei. Ich habe die Scheidung eingereicht und auch durchgezogen. Heute bin ich ihm nicht mehr böse, aber damals war ich richtig verletzt.
Bisheriges Leben
Ich habe damals nur die mittlere Reife gemacht und dann eine Ausbildung zur Hotelfachfrau, Ich bin ziemlich streng erzogen worden und es war der Wille meiner Eltern, dass ich unbedingt möglichst schnell arbeite, Geld verdiene und auf eigenen Beinen stehe. Bei uns zuhause wurden die Kinder nicht nach ihren Wünschen gefragt. Mir kam das damals gar nicht komisch vor, wie denn auch? Ich kannte es ja überhaupt nicht anders. Nur heute weiß ich, was sie mir damit versaut haben. Ich konnte nie nur für mich alleine herausfinden, wo ich im Leben hinwill und was ich eigentlich machen möchte. Aber ich mache ihnen keinen Vorwurf. Meine Eltern waren halt kleinbürgerliche, ängstliche Leute und sind selbst so erzogen worden. Sowas gabs ja auch noch, das war die Generation, die im Krieg großgeworden ist. Da galten ganz andere Prioritäten als heute. Sie waren froh, dass ich versorgt war und genug Geld verdient habe.